Freie Zeit – Ferien Zeit – Entdeckungszeit
Ferien sind ein Privileg. Ich weiss das und schätze drum die freie Zeit sehr. Diese Zeit ist mir kostbar. Deshalb gehe ich in dieser Zeit gerne auf Entdeckungsreisen. Ich liebe Entdeckungsreisen durch Bücher oder durch fremde Kulturen. Einmal war ich auf einer solchen Entdeckungsreise in der kroatischen Stadt Trogir. Ein charmantes kleines Städtchen etwas nördlich von Split. Über dem Portal einer Kirche entdeckte ich eine Heiligendarstellung. Die Figur erschloss sich mir nicht. Sie hatte extrem lange Haare, die aussahen wie ein Fell. Ich machte ein Bild von der Heiligenfigur und trug sie seither immer in Gedanken mit. Die Lösung, wer da abgebildet war, fand ich nicht. Der Zufall wollte es, dass ich in diesem Frühjahr wieder in Trogir war. Meinen Begleitern erzählte ich von der Heiligenfigur. Wie suchten die Kirche und rätselten erneut. Ohne Ergebnis. Hättest Du es gewusst?
Einige Wochen später bekam ich eine Email von einem der Begleiter. Er hatte sich die Zeit genommen zu recherchieren und herausgefunden: Es ist Maria Magdalena.
Das Attribut von Maria Magdalena ist das lange offene Haar. Es symbolisiert zum einen die Szene, in welcher sie mit ihrem Haar nach der Salbung in Bethanien Jesus die Füsse trocknete. Zudem ist in der mittelalterlichen frühneuzeitlichen Ikonografie das lange Haar Symbol für eine ehemalige Sünderin.
Künstler des Mittelalters und der Renaissance setzten die Maria Magdalena häufig mit der Büsserin Maria von Ägypten gleich.
Die ägyptische Maria wird geschildert als eine gefallsüchtige, lebenslustige Frau mit ausschweifendem Lebenswandel, die sich nach einer Wallfahrt nach Jerusalem als Büsserin in der Wüste läuterte. Es wuchs ihr neben langen wallenden Haupthaaren ein Haarkleid am ganzen Körper, welches die Schönheit ihres Körpers verhüllte. Beide Marias werden in der Ikonografie oft sehr ähnlich dargestellt mit ebendiesem langen Haar, das den Körper bedeckt.
Am kommenden Mittwoch, 22. Juli, feiert die Kirche das Fest der Maria Magdalena oder der Apostelin der Apostel wie sie auch genannt wird. Sie war es ja, die dem Auferstandenen am Ostermorgen zuerst begegnete. Mich fasziniert diese biblische Frau immer neu. Folgende Assoziationen habe ich mit Maria Magdalena: Anmut, Zärtlichkeit, Umkehr, Schönheit, Zerbrechlichkeit und die Liebe. Ich habe mir vorgenommen die biblischen Überlieferungen und die legendarischen Überlieferungen dieser Frau in meinen Ferien neu zu entdecken. Zudem bin ich auf der Suche nach weiteren haarigen Darstellungen der Maria Magdalena. Die Ferienzeit eignet sich gut dafür.
Sibylle Hardegger

Vielen Dank für diesen Impuls, Sibylle.
Für mich ist Maria Magdalena vor allem eine mutige Zeugin. Sie bleibt, als andere fliehen – und wird zur ersten Verkünderin der Osterbotschaft.
Schöne Ferien!
PS: Wie sehr sich das Bild Maria Magdalenas im Laufe der Geschichte verändert hat, zeigt ab Mitte September die Ausstellung „SIN. PRAY. LOVE.“ im Städel Museum in Frankfurt am Main. Sie eröffnet einen facettenreichen Blick auf Maria Magdalena als eine der aussergewöhnlichsten Frauenfiguren der Kirchen- und Kunstgeschichte.