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Hab Mut, steh auf!
So lautet das Motto des Deutschen Katholikentags, der gerade in Würzburg stattfindet.
Mut braucht es, wenn ein Abschied bevorsteht. Wenn das, was Halt gegeben hat, nicht mehr sichtbar ist. Wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht. Mut heisst nicht, keine Angst zu haben. Mut heisst vielmehr: sich dem Leben zuzuwenden. Aufzustehen. Einen nächsten Schritt zu wagen.
Der Katholikentag versteht dieses Motto auch als Aufruf: sich einzubringen und zu engagieren – für Menschenwürde, Solidarität und konkretes Handeln für Gerechtigkeit. Gegen eine Haltung der Gleichgültigkeit. Nicht wegzuschauen, sondern hinzusehen. Nicht zu überhören, sondern zuzuhören. Nicht zu schweigen, wo Unrecht geschieht, sondern für die Betroffenen einzutreten.
„Hab Mut, steh auf!“ ist deshalb mehr als ein persönlicher Zuspruch.
Es ist Ermutigung und ein Ruf ins Miteinander:
Mut haben, aufzustehen.
Im Vertrauen darauf:
Wir sind nicht allein unterwegs.
Wer glaubt, ist nie allein.
Barbara Melzl
Die Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, auch «die kalte Sophie» genannt – zwischen dem 11. und 15. Mai – erinnern uns jedes Jahr daran: Der Frühling ist noch nicht ganz da. Kalte Nächte können Wachstum nochmals bremsen – und auch uns selbst a bisserl frösteln lassen.
Manches im Leben ist ähnlich:
Gerade wenn wir denken, jetzt wird es leichter, heller oder wärmer, kommt nochmals Gegenwind. Zweifel, Sorgen oder Unsicherheit können sich wie ein plötzlicher Kälteeinbruch anfühlen.
Doch die Eisheiligen erzählen auch etwas Tröstliches: Nicht alles muss sofort aufblühen. Manches reift langsam. Nach jeder kühlen Phase kommt wieder Wärme. Und auch Rückschläge gehören dazu.
Mamertus erinnert uns an Gottvertrauen – dass Gott auch in unsicheren Zeiten schützt und begleitet.
Pankratius steht für Mut und Standhaftigkeit – auch bei Widerstand.
Servatius erinnert an Fürsorge und Verantwortung füreinander.
Bonifatius macht uns Mut, Glauben konkret zu leben.
Sophia lädt uns dazu ein, geduldig zu bleiben.
Die Eisheiligen zeigen uns: Wachstum braucht Zeit – in der Natur, im Glauben und im Miteinander.
Barbara Melzl
Heute ist Muttertag. 🌷
Allen Müttern wünsche ich alles Gute.
Dieser Tag lädt dazu ein, Danke zu sagen – für all die Liebe, Geduld, Sorge und Fürsorge, die Mütter geben, oft ganz selbstverständlich.
Manches, was Mütter schenken, ist leise:
ein offenes Ohr, Ermutigung, Mittragen, Mitfühlen, Dasein oder Raum geben zum Leben und Wachsen.
Einer Mutter gedenken wir im Monat Mai ganz besonders:
der Gottesmutter Maria, der Maienkönigin – für viele Menschen eine Mutmacherin und Begleiterin auf ihrem Lebens- und Glaubensweg. Sie spendet Hoffnung und Orientierung, besonders wenn die Zeiten schwer sind.
Sehr dankbar bin ich heute meiner Mutter: DANKE, Mama!
Danke herzinniglich für all Deine Liebe und alles Gute, das du uns Kindern – bis heute – schenkst und mitgegeben hast. Danke für all das, was oft niemand sieht.
Ich wünsche allen Müttern Momente, in denen sie selbst erfahren dürfen: getragen, gesehen und geliebt zu sein.
Barbara Melzl
Kürzlich war ich in Schweden. Dort habe ich Freunde und Freundinnen besucht, die zur kleinen römisch-katholischen Kirche gehören. In ganz Schweden gibt es nämlich nur etwa 135’000 Katholiken und Katholikinnen. Sie sind eine kleine Minderheit. Doch diese Minderheit scheint interessant zu sein. Seit etwa einem Jahr wird ein grösseres Interesse an Glaube, Religion und Kirche wahrgenommen. Menschen kommen und fragen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Bis zu viermal mehr Interessenten und Interessentinnen gibt es bei den angebotenen Grundkursen «Einführung in den katholischen Glauben». Etwa dreimal mehr Eintritte in die Kirche durch Erwachsenentaufe und Firmung.
Ich habe mit Klosterfrauen, Priestern, engagierten Laien und dem Kardinal gesprochen. Alle sind sie hocherfreut über das Interesse. Im so säkularisierten Land Schweden beginnen junge Menschen gerade nach dem «Mehr» zu suchen, nach dem, was wirklich Sinn und Halt gibt im Leben. Scheinbar haben die Kirchen eine Antwort darauf. Das macht Hoffnung und vor allem und zunächst mal Freunde!
Übrigens beobachten diese Entwicklung auch andere Konfessionen und religiöse Gemeinschaften. Deshalb kann man es vielleicht ganz vorsichtig als «Zeitenwende» bezeichnen. Es scheint ein Aufbruch in der jüngeren Gesellschaftsschicht im Gange.
Sibylle Hardegger
Walpurgisnacht
In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai
flackert etwas auf.
Frühling liegt in der Luft.
Gemeinsam mit 40 Frauen war ich in der Offenen Kirche Bern.
Wir haben zusammen gesungen, getanzt und musiziert –
lebendig und verbunden, ein Tanz in den Mai.
Die Walpurgisnacht.
Eine Schwelle.
Ein Moment zwischen dem, was war,
und dem, was werden will –
ein leises Aufbrechen.
Früher und auch heute noch werden Feuer entzündet,
um das Alte loszulassen,
um Raum zu schaffen für Neues.
Ich frage mich:
Was in mir ist bereit, zu gehen?
Wofür brenne ich?
Manchmal ist es nur ein Funke.
Ein Gedanke.
Ein Wunsch.
Diese Nacht erzählt davon,
dass Wandel zum Leben gehört.
Und dass jeder Funke
ein Anfang sein kann.
Barbara Melzl
Panta rhei – Alles ist im Fluss
Durch die Oberpfälzer Auen- und Seenlandschaft schlängelt sich der Naabtal-Veloweg.
Rund hundert Kilometer lang folgt er dem Fluss – von der Vereinigung von Haidenaab und Waldnaab bis dorthin, wo kurz vor Regensburg die Naab in die Donau fliesst.
Wer hier unterwegs ist, spürt:
Der Weg folgt nicht nur dem Fluss – er lädt auch ein, dem eigenen inneren Fluss nachzuspüren.
Mal ruhig und weit, mal kurvig und überraschend.
Immer in Bewegung.
Unterwegs begegnen mir Spuren ostbayerischer Geschichte:
Burgen und Schlösser, Ruinen und Kirchen –
Orte, an denen Menschen vor uns gelebt, geglaubt und gehofft haben.
Und dann Mariaort, der Wallfahrtsort,
wo die Naab in die Donau mündet.
Nichts ist wie es war –
aber alles ist in Bewegung.
Dieser Weg erinnert uns daran,
dass auch unser Leben solche Übergänge kennt.
Dass wir darauf vertrauen dürfen:
Alles ist im Fluss.
Und alles findet seinen Weg.
Barbara Melzl
Was gesät ist
Im Beet beginnt es unscheinbar.
Ein paar Reihen Karotten und Radieschen.
Ich habe heute «nur» Samen in die Erde gelegt –
und doch liegt darin schon alles.
Die Erde ist vorbereitet, meine Hände säen und bedecken.
Dann heisst es warten.
Denn wachsen lässt sich nicht erzwingen.
Es braucht Zeit, Licht, Wasser – und das stille Wirken der Schöpfung.
Das Säen erinnert uns daran,
dass auch in unserem Leben vieles zunächst latent beginnt.
Dass nicht alles sofort sichtbar sein muss.
Dass Entwicklung ihren eigenen Rhythmus hat.
Und dass wir darauf vertrauen dürfen:
Was gesät ist, kann wachsen.
Zur rechten Zeit.
Barbara Melzl
Ein Wort macht in diesem Tagen die Runde: Öl. Seit Israel und die USA gegen Iran kriegen, steigt und fällt der Ölpreis – je nach dem, was der amerikanische Präsident verlauten lässt; je nach dem, ob die Strasse von Hormus gerade offen oder – von wem auch immer – blockiert wird. Autofahrende spüren es beim Tanken, Reisewillige bei Flugbuchungen. Der Ölpreis trifft viele indirekt und doch direkt.
Öl kommt auch in der Bibel vielfältig vor. Vor allem die Salbung mit Öl ist in der Bibel ein sehr vielschichtiges Symbol. Sie taucht sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament auf und hat mehrere Bedeutungen – je nach Kontext religiös, politisch und auch praktisch. Im Alten Testament wurden Menschen mit Öl gesalbt, um zu zeigen, dass sie von Gott für eine besondere Aufgabe auserwählt sind. So wurde zum Beispiel David durch den Propheten Samuel zum König gesalbt. Auch Priester und Propheten wurden durch die Salbung eigesetzt oder beauftragt. Die Salbung war also eine sichtbare Handlung, die eine unsichtbare Realität ausdrückte: „Dieser Mensch gehört Gott und hat einen Auftrag.“
Das Öl steht oft als Symbol für Gottes Geist. Wenn jemand gesalbt wird, bedeutet das nicht nur ein Ritual, sondern auch, dass Gott ihm Kraft, Weisheit oder Führung übergibt. Bis heute werden Menschen bei der Taufe, Firmung und Weihe mit dem heiligen Öl, dem Chrisam, gesalbt.
Die Begriffe „Messias“ (hebräisch) bzw. „Christus“ (griechisch) bedeuten beide „der Gesalbte“. Jesus Christus wird so bezeichnet, weil er als der von Gott Gesandte gilt.
In der Antike hatte Öl auch eine ganz praktische Funktion: Es wurde zur Pflege und zur Behandlung von Wunden genutzt. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (in Evangelium nach Lukas) wird zum Beispiel Öl auf Wunden gegossen.
Jemandem Öl auf den Kopf zu giessen, war ein Zeichen von Respekt oder Freude. So tat es Maria, die Schwester von Marta und Lazarus, als Jesus bei ihnen in Bethanien zu Gast war.
Kurz gesagt: Die Salbung mit Öl bedeutet in der Bibel vor allem:
- Auswahl durch Gott
- Ausrüstung mit Gottes Geist
- Heilung und Fürsorge
- Ehre und Hingabe
Und sie sagt uns vor allem: Gottes Ölpreis ist anders!
Sibylle Hardegger
Kürzlich habe ich in einem Magazin einen Artikel gelesen über einen Bürgermeister eines Vororts von New York. Er ist ein Einwanderer einer italienischen Familie. Er hat keine Sekretärin und keinen Chauffeur. Er geht auf die Strasse, spricht mit den Leuten. Er besucht Schulen, Altersheime und nimmt seinen Lunch in der «Bar ums Eck» ein.
Die Menschen erzählen von ihm, er sei einer, der «anpackt». «Geht nicht», gibt es bei ihm nicht.
Wenn die Schule Stühle braucht, sagt er sie zu. Wenn im Ramadan ein Halbmond auf dem Dorfplatz leuchtet, ordert er auf Wunsch der Christen und Christinnen auch auch ein Kreuz, um die Fastenzeit sichtbar zu machen. An der Brücke im Stadtzentrum lässt er ein Schild anbringen: Here is no place for hate.
Er schaut, was Menschen brauchen und sagt es ihnen zu – ohne immer schon eine Lösung parat zu haben. «Die Lösung kommt danach», sagt er.
Seine Einstellung begeistert mich. Ichh «zerbreche» mehr und mehr daran, dass «gute Ideen» immer ein Konzept oder gar einen Businessplan brauchen. Ideen werden im Keim erstickt – oft auch in der Kirche.
Lasst uns einfach beginnen! Die Lösung kommt oft von alleine.
Man könnte auch sagen: Habt Vertrauen!
Sibylle Hardegger

Eure Meinung, bitte!
Vor einigen Jahren war ich in Oberammergau, um die bekannten Passionsspiele anzuschauen. Daneben blieb auch Zeit, die vielen Geschäfte mit religiösen Gegenständen zu besuchen. Die Auswahl an Kreuzen ist in Oberammergau riesig! Ein Kreuz ist mir dabei sofort ins Auge gesprungen. Jesus bewegt sich vom Kreuz weg. Er springt vom Kreuz … oder wie immer man das deuten möchte.
Ich möchte Euch hier fragen: Was denkt ihr zu diesem Kreuz? Könnt ihr damit etwas anfangen? Ist es gotteslästerlich?
Schreibt mir doch bitte Eure Gedanken in die Kommentare. Es interessiert mich sehr, denn ich überlege, ob ich das Bild als Osterkarte versenden soll.
Sibylle Hardegger
PS: Nach Ostern schreibe ich Euch gerne meine Gedanken dazu auf Instagram.
Frühlingsanfang – ein Zeichen der Zeit
Der Frühling beginnt, es grünt.
Die Knospen brechen auf, zaghaft – und doch mit einer Kraft, die sich ihren Weg bahnt.
Der Frühling ist mehr als eine Jahreszeit.
Er ist ein Zeichen der Zeit.
Wie die Frauenfrage in der Kirche.
Es ist gut, dass benannt wird, was lange übersehen wurde:
dass sich Frauen in der Kirche mitunter nicht mehr zuhause fühlen.
Denn es geht um Gleichwürdigkeit, die heute gelebt werden will.
Der Frühling zeigt uns:
Was wachsen will, sucht sich Raum.
So können auch wir dazu beitragen, Raum zu geben:
für Stimmen, die lange zu leise waren,
für Beteiligung und Teilhabe, die mehr sind als Symbol,
für eine Kirche, die aus der Würde aller lebt.
Der Frühling erinnert uns daran:
Die Zeit ist nicht irgendwann.
Die Zeit ist gekommen.
Barbara Melzl
Letzte Woche bin ich in der Staatsbibliothek München angestanden, um eine wertvolle Bibel zu bestaunen: eine Gutenberg-Bibel.
Gedruckt um 1455 mit beweglichen Lettern – ein Meilenstein der Kulturgeschichte – und für zwei Tage zugänglich wie sonst kaum.
Ein junges Mädchen fragte ungeduldig in der langen Schlange:
„Wie viel ist diese Bibel hinter der Vitrine wert?“
Ihr Vater antwortete:
„Von unschätzbarem Wert.“
Dieser Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
Während des Wartens kam mir auch eine andere Bibel in den Sinn, die mich vor rund einem Jahr tief berührt hat: die Bibel von Moutier-Grandval.
Über 1200 Jahre alt. Von Mönchen mit Geduld, Hingabe und grosser Kunstfertigkeit von Hand geschrieben.
Letztes Jahr war diese Heilige Schrift für drei Monate in Delémont zu bewundern.
Zwei Bibeln. Zwei Epochen.
Diese Bibeln sind weitaus mehr als sehr wertvolle alte Bücher.
Die Bibel ist eine Quelle für Kraft, Orientierung und Inspiration.
Beim Anblick spürte ich Ehrfurcht –
und eine tiefe Wertschätzung.
Für das, was uns durch die(se) Bibel geschenkt ist.
Voll Demut und voller Freude darüber,
dass sich so viele Menschen an dieser Heiligen Schrift erfreuten,
ging ich weiter – mit Lust auf mehr Bibel.
Barbara Melzl
Diese Woche war ich im Gottesdienst in der Kapelle der Einsiedelei in der Solothurner Verenaschlucht.
Wir haben dort auch gemeinsam gesungen. Schon Augustinus sagte: „Wer singt, betet doppelt.“
Beim anschliessenden Mittagessen wurde der Lobpreis zum Tischgebet.
Und plötzlich war dieser Satz aus dem Evangelium ganz spürbar:
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Gemeinsames Singen hat etwas Besonderes.
Es verbindet.
Es öffnet.
Es stimmt uns aufeinander ein.
Dabei musste ich an den Dokumentarfilm „Melodie“ denken, den ich kürzlich an den diesjährigen Solothurner Filmtagen gesehen habe – und der jetzt im Kino angelaufen ist.
Der Film zeigt, wie Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft im Singen Kraft, Trost und Lebensfreude finden – vom Sinn und Glück des Singens, quasi. In „Melodie“ wird
Singen zur Ehre Gottes und zur Freude des Menschen auf berührende Weise sichtbar.
Wer singt, hört auch auf die anderen.
Und wer zuhört, beginnt sich einzustimmen.
Gerade in einer Zeit voller Spannungen ist das eine leise, aber starke Erfahrung der Hoffnung:
Gemeinsam singen – und spüren, dass wir miteinander verbunden sind.
Barbara Melzl
Bis vor einer Woche war ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Oman unterwegs. Am 18. Februar hat auch dort der Ramadan – der Fastenmonat – begonnen. Dazu ertönte überall die Grussformel: «Ramadan Kareem!», was übersetzt «Grosszügiger Ramadan» heisst. Beantwortet wird der Gruss mit «Ramadan Mubarak» was soviel wie «Gesegneter Ramadan» heisst. Die islamische Fastenzeit ist fröhlich und bunt. Es werden Beleuchtungen montiert. Ähnlich wie wir es von der Advents-und Weihnachtszeit kennen. Dadurch ist der Ramadan im Alltag allgegenwärtig.
Es ist eine Zeit der Besinnung, der Grosszügigkeit und des Fastens … und so habe ich es erfahren: Eine Zeit der Zuwendung und der Freude.
Diese Erfahrung wirft für mich eine neue Perspektive auf die christliche Fastenzeit.
Sibylle Hardegger
Menschen der Hoffnung – Farben der Hoffnung
Als neulich im Gottesdienst der Hirtenbrief von Bischof Felix Gmür verlesen wurde, blieb ich bei einem Gedanken hängen: Hoffnung ist kein grelles Scheinwerferlicht, sondern ein leises, unbeirrbares Leuchten.
Gerade in unsicheren Zeiten.
Dabei musste ich an Margot Käßmanns Buch „Farben der Hoffnung“ denken. Denn dort bekommt Hoffnung Farbe – ganz konkret, zum Beispiel steht:
Rot für die Hoffnung auf Liebe.
Orange für die Hoffnung auf Frieden.
Gelb für die Hoffnung auf Bewahrung der Schöpfung.
Grün für die Hoffnung auf Zukunft.
Blau für die Hoffnung auf Gerechtigkeit.
Lila für die Hoffnung auf Gott und Veränderung.
Das sind keine abstrakten Begriffe.
Das sind die Sehnsüchte unserer Zeit.
Und es sind die Farben des Regenbogens.
Der Regenbogen ist ein starkes Zeichen: biblisch als Bundeszeichen Gottes – und zugleich ein Symbol für Frieden und für die Würde jedes Menschen. Damit ist er weltweit ein Hoffnungssymbol.
Der Hirtenbrief ruft uns dazu auf, Menschen des Lichts zu sein – Menschen der Hoffnung. Nicht zu resignieren, sondern Hoffnung konkret werden zu lassen. In unserem Miteinander. In unseren Entscheidungen.
Vielleicht heisst das:
Heute Liebe zeigen – und der Gleichgültigkeit keinen Raum geben.
Heute Frieden suchen.
Heute die Schöpfung achten.
Heute Zukunft möglich machen.
Heute ein Stück Gerechtigkeit wagen.
Heute auf Gott vertrauen – und Veränderung wagen.
Nicht morgen. Heute.
Hoffnung ist Haltung.
Und sie bekommt Farbe – durch uns.
Barbara Melzl
Um mich auf die Fastenzeit einzustimmen, habe ich mich mit der Thematik der Unverfügbarkeit auseinandergesetzt. Diese Perspektive hat meinen Blick geschärft – und dem Fasten eine neue Tiefe gegeben.
Fasten bekommt vor diesem Hintergrund eine neue Bedeutung.
Es ist mehr als der Verzicht auf Gewohntes – auf Süsses, (soziale) Medien, Alkohol oder Konsum. Es ist ein bewusster Schritt aus der Logik der permanenten Verfügbarkeit.
Denn: Ich unterbreche. Ich stille nicht jedes Bedürfnis augenblicklich.
Wir leben in einer Zeit, in der schnelle Reaktionen, permanente Erreichbarkeit und unmittelbare Ergebnisse erwartet werden.
Doch Vertrauen entsteht nicht auf Knopfdruck.
Resonanz lässt sich nicht verordnen.
Sinn kann nicht produziert werden.
Was wirklich trägt, entzieht sich unserer Kontrolle.
Gerade darin liegt die Kraft des Fastens.
Es ist nicht nur individueller Verzicht, sondern eine leise Gegenbewegung.
Eine Unterbrechung.
Und Unterbrechung schafft Raum.
Raum für Wahrnehmung.
Für Beziehung.
Für das, was nicht gemacht, sondern nur empfangen werden kann.
Die Fastenzeit lädt uns ein, diese Haltung bewusst einzuüben – im Kleinen wie im Grossen.
Barbara Melzl
Bestohlen
Es geschah im Zug. Ich sass im Ruhewagen. Das sind jene Wagen, die das Zeichen «Psst» tragen und wo Telefongespräche – eigentlich – nicht erlaubt sind. Also bin ich durch die Glasschiebetür raus in den Vorraum und habe meinen Anfruf dort getätigt. Ich stand kaum 2 Meter von meinem Sitzplatz, auf dem ich Jacke und Rucksack deponiert hatte. Gefühlt hatte ich meine Sachen immer im Blick. Eben: gefühlt. Als ich an meinem Sitzplatz zurückkam, fiel mir auf, dass mein Rucksack geöffnet war. Ein Blick genügte, die Geldbörse war weg, Jemand hat mich bestohlen! Ich wurde so richtig sauer. Nicht weil ich viel Geld mitgetragen hatte (es waren nur 10 Schweizer Franken), aber so ein Diebstahl setzt eine ganze Maschinerie von Handlungen in Gang: Bankkarten sperren über Notfallnummer, Bahnabo sperren, Anzeige bei der Polizei – weil auch der Fahrausweis und die Identitätskarte weg waren. … Es nervt einfach! Immer und immer wieder bin ich die Situation im Zug in meinem Kopf durchgegangen. Und ja, mir ist eine Frau aufgefallen, die mehrmals den Gang im Wagen auf und ab ging. Ich sah sie durch die Schiebetür. Doch sie ist nie an mir vorbeigegangen. Ob sie potentielle Opfer auserkoren hat…? Und der Mann auf dem Sitzplatz über den Gang war auch weg als ich vom Telefonat zurückkam. Ich erinnere mich, dass er oben auf der Gepäckablage eine lange Zeit «herumhantiert» hatte. Er hat ihr Sichtschutz gegeben als sie meinen Rucksack räumte. So muss es gewesen sein.
Als mein Ärger verfolgen war, hatte ich beinahe Mitleid mit den Dieben. Sie gehen ein Risiko ein für – in meinem Fall – wenig Geld. Und ich frage mich: Ist ihre Not so gross? Oder was drängt sie? Sind sie das letzte Glied in einer Kette? Werden sie unterdrückt, benutzt, ausgenutzt? Ich stehe in Gedanken versunken am Bahnhof und warte auf den Bus, der mich nach Hause bringt. Dann die Situation, die sich am Bahnhof immer und immer wiederholt: «Guten Tag, Madame, haben Sie vielleicht etwas Kleingeld für mich?», so spricht mich ein eher ungepflegter nicht mehr ganz junger Mann an. Auch das noch, denke ich und: es nervt. Doch dann sage ich ebenso freundlich zu ihm: «Es tut mir leid, ich habe gar kein Geld dabei. Mir wurde eben die Geldbörse gestohlen.». Er schaut mich mit grossen Augen an und sagt: «Das tut mir sehr leid für Sie.» Und ich füge noch bei: «Im Zug.» Er: «Das ist unglaublich. Ich wünsche Ihnen trotzdem noch einen ganz schönen Tag.» Dann geht er weiter und fragt den nächsten Passanten. Er lässt mich mit einem Lächeln auf den Lippen zurück. Seine Anteilnahme empfand ich als echt und tat mir in dem Moment einfach gut. Es sind die kleinen Dinge, die den Alltag plötzlich in ein neues Licht rücken können. Die Diebe und den Diebstahl habe ich bereits vergessen, aber nach dem Bettler am Bahnhof halte ich Ausschau. Nächstes Mal habe ich Kleingeld dabei.
Sibylle Hardegger
Unterwegs in den Seelenlandschaften
Der Besuch der Ausstellung Seelenlandschaften im Landesmuseum Zürich war mehr als ein Gang durch Bilder.
Er wurde zu einem Weg nach innen.
Die Werke öffnen Räume für das, was in uns lebt:
Gefühle, Erinnerungen, Spannungen, Hoffnungen.
Sie zeigen Seelenleben nicht geordnet oder abgeschlossen,
sondern in Bewegung – vielschichtig. C.G. Jung beschreibt die Seele als Teil eines kollektiven Unbewussten,
das sich in archetypischen Bildern und Symbolen zeigt –
Bildern, die Menschen über Zeiten und Kulturen hinweg verbinden.
Jung hielt seine eigenen Erfahrungen mit dieser seelischen Dimension nicht nur schreibend fest.
Immer wieder taucht in seinen Arbeiten das Mandala auf:ein Symbol der seelischen Ganzheit, die er das Selbst nannte.
Beim Gehen durch die Ausstellung wurde genau dies spürbar: dass Bilder mehr sagen können als Worte.
Dass sie etwas in uns berühren.
Hier öffnet sich auch eine leise Verbindung zum Glauben.
Nicht als Erklärung.
Nicht als fertige Antwort.
Sondern als Raum.
Die Seelenlandschaften laden ein, dieser inneren Bewegung Raum zu geben.Und vielleicht einander neu zu begegnen – mit mehr Tiefe und Verbundenheit.
Barbara Melzl


In Luzern stehen 16 König:innenfiguren an verschiedenen Orten in der Stadt:
in Kirchen, Bibliotheken, Treffpunkten und öffentlichen Räumen.
Jede Figur ist Ausdruck einer Würde, die niemand verlieren kann.
Und jede öffnet einen Raum der Begegnung und der Reflexion –
einen Raum zum Innehalten und Wahrnehmen.
Wenn wir Menschen begegnen –
auf der Strasse,
im Gespräch,
oder in der Stille eines Raumes –,
dann begegnen wir auch der Würde, die jedem Menschen innewohnt.
Diese Ausstellung ist eine Einladung,
den Blick zu schärfen,
das Herz zu öffnen
und die Würde im Anderen
wie auch im eigenen Selbst zu entdecken.
Die Ausstellung „Würde unantastbar“ lädt ein, genau hinzusehen:
nicht nur auf die Figuren,
sondern auf uns selbst –
und aufeinander.
Barbara Melzl

In diesen Tagen, wenn die Dunkelheit früh hereinfällt und die Winterlandschaft zur Ruhe kommt, lädt der Laternenweg – Weg der 1000 Lichter im Naturpark Blausee zu einem besonderen Spaziergang ein:
langsamer zu werden.
Nicht, um anzukommen.
Sondern um wahrzunehmen.
Wer langsamer wird, beginnt wahrzunehmen:
die Stille zwischen den Gedanken,
den Atem im eigenen Rhythmus,
das Vertrauen, das wächst,
wenn wir uns dem Licht anvertrauen, das da ist.
Es ist mehr als ein Spaziergang.
Es ist ein Moment der Achtsamkeit –
ein langsames Gehen durch Licht und Schatten,
durch Stille und warmes Leuchten.
Vielleicht ist dieser Weg auch ein Bild für unseren eigenen Glaubensweg:
nicht immer klar, nicht immer hell – aber begleitet.
Barbara Melzl
Foto: Barbara Melzl

Kürzlich habe ich einen Spaziergang durch die Verenaschlucht bei Solothurn unternommen. Eine wunderschöne beinahe mystische Gegend. Am Wegrand hat jemand in unregelmässigen Abständen Kerzen aufgestellt. Mal eine, mal zwei. Für mich ein Sinnbild des Lebens.
Immer wieder scheint am Rand meines Lebenswegs ein Licht auf, das jemand für mich bereits stellt: Ein Lob, eine Aufmunterung, ein kleines Geschenk, ein nettes Wort. Es ist die Kunst des Lebens, diese Lichter wahrzunehmen.
Sibylle Hardegger

Weihnachten gilt seit jeher als das Fest der Herzen – doch in Apenrade erhält diese Idee eine besondere, beinahe märchenhafte Tiefe. Hier lassen liebevoll engagierte Ehrenamtliche eine Wärme entstehen, die gerade diejenigen erreicht, die sie in dieser Zeit am meisten brauchen.
Das Bahnhofsviertel
Im alten Bahnhofsviertel erwacht jedes Jahr die „Stadt der Weihnachtsherzen“ (Julehjertebyen) zum Leben – ein Ort, an dem es scheint, als läge über allem ein sanfter Zauber. Aus einem alten gusseisernen Ofen steigen süße Düfte von frisch gebackenen Pförtchen und warmem Milchreis auf. Das Essen wird mit offenem Herzen kostenlos verteilt, damit jeder Besucher ein Stück Weihnachtswärme mit nach Hause nehmen kann. Daneben gibt es kleine, festlich geschmückte Essensstände, an denen liebevoll zubereitete Köstlichkeiten verkauft werden.
Alle Zutaten stammen aus großzügigen Spenden der örtlichen Gewerbetreibenden, und hunderte Ehrenamtliche schenken ihre Zeit, um dieses Weihnachtswunder möglich zu machen.

Die kleinen Holzhäuser
Das Ziel der Stadt der Weihnachtsherzen ist es, inmitten des winterlichen Apenrade einen Ort zu erschaffen, an dem man Weihnachten so erleben kann, wie es vielleicht um 1850 gewesen sein könnte – still, warm, nostalgisch und voller Licht. Die kleinen Holzgebäude sind detailreiche Nachbildungen historischer Häuser der Stadt: des alten Rathauses, der Kirche, der Sdr. Hostrup Kro, der Sct. Jørgens Kirche, des Folkehjemmet und des Bahnhofs. Zwischen ihnen glitzert das Licht der Laternen, und für einen Augenblick fühlt man sich, als würde die Zeit stillstehen. (Mandy Friesike)
