Schritte über das Wasser
„Der Gang Jesu auf dem Wasser“, so überschreibt die Einheitsübersetzung die Evangelienstelle (Mt 14,22-33) des heutigen Sonntags.
Schon als Kind hat mich diese Erzählung fasziniert. Jesus kann auf dem Wasser gehen – und dann auch noch Petrus.
Zudem ist sie für mich ein Paradebeispiel für den Mut zum Glauben. Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) hat dazu einmal geschrieben: „Wäre Petrus nicht herausgetreten, so hätte er nicht glauben gelernt.“
Gleichzeitig aber verweist die Szenerie auch auf die Zerbrechlichkeit des Glaubens. In dramatischem Bild wird an Petrus gezeigt, was mir und vielleicht auch Dir, liebe Leserin, lieber Leser, nicht allzu fremd ist: Wir packen etwas an mit Vertrauen in Jesus, aber halten den Blick allein auf ihn dann doch nicht durch. Anstatt dass Petrus sein Sinnen auf den bereits vollzogenen Schritten festhält, wird die Angst vor dem Sturm für ihn wichtiger. Damit wendet er sich von Jesus weg und beginnt zu versinken. Sobald er sich aber Jesus wieder zuwendet, seine Hoffnung und sein Vertrauen auf ihn und das vernommene Wort „Komm!“ lenkt, kann er wieder aufrecht gehen.
Nehmen wir diese Aussage des heutigen Evangeliums mit durch den Tag und die Woche. Betrachten wir dabei Wegstrecken unseres Lebens, wo auch wir schon – ähnlich wie Petrus – ermutigt durch Glauben und Vertrauen, „Schritte über das Wasser“ wagten.
Lassen wir solche Erfahrungen aufleben, vergessen wir sie nicht. Denn lebendige Erinnerung an gute Erfahrungen mindert Verzagtheit und Ängste, mobilisiert stattdessen Kräfte und stärkt den Glauben, den auch wir brauchen, um auf dem See gehen zu können.
+ Josef Stübi
