Die Glaubenspiazza lebt von Menschen wie dir. Von euren Gedanken, euren Fragen, euren Hoffnungen – und all dem, was euch im Alltag berührt. Mit ‹Post aus der Community› möchten wir einen Ort schaffen, an dem genau das Platz hat: eure Perspektiven.
Vielleicht möchtest du eine Erfahrung teilen, die dich inspiriert hat. Vielleicht bewegt dich ein Thema, das du zur Diskussion stellen möchtest. Oder du hast einen Impuls, der anderen gut tun könnte. Was immer es ist – wir freuen uns darauf.
Deine Einsendungen werden von unserem Team gesichtet und – wenn sie thematisch passen – auf der Glaubenspiazza veröffentlicht. So entsteht ein lebendiger Austauschraum, der von vielen getragen wird. Offen, respektvoll und neugierig auf das, was Menschen miteinander teilen können.
Schick uns deine Post per E-Mail an info@glaubenspiazza.ch . Wir sind gespannt auf das, was du beitragen möchtest.
Bis vor einer Woche war ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Oman unterwegs. Am 18. Februar hat auch dort der Ramadan – der Fastenmonat – begonnen. Dazu ertönte überall die Grussformel: «Ramadan Kareem!», was übersetzt «Grosszügiger Ramadan» heisst. Beantwortet wird der Gruss mit «Ramadan Mubarak» was soviel wie «Gesegneter Ramadan» heisst. Die islamische Fastenzeit ist fröhlich und bunt. Es werden Beleuchtungen montiert. Ähnlich wie wir es von der Advents-und Weihnachtszeit kennen. Dadurch ist der Ramadan im Alltag allgegenwärtig.
Es ist eine Zeit der Besinnung, der Grosszügigkeit und des Fastens … und so habe ich es erfahren: Eine Zeit der Zuwendung und der Freude.
Diese Erfahrung wirft für mich eine neue Perspektive auf die christliche Fastenzeit.
Sibylle Hardegger
Menschen der Hoffnung – Farben der Hoffnung
Als neulich im Gottesdienst der Hirtenbrief von Bischof Felix Gmür verlesen wurde, blieb ich mitunter bei einem Gedanken hängen:
Hoffnung ist kein grelles Scheinwerferlicht, sondern ein leises, unbeirrbares Leuchten.
Gerade in unsicheren Zeiten.
Dabei musste ich an Margot Käßmanns Buch „Farben der Hoffnung“ denken.
Denn dort bekommt Hoffnung Farbe – ganz konkret.
Blau steht für die Hoffnung auf Gerechtigkeit.
Orange für die Hoffnung auf Frieden.
Rot für die Hoffnung auf Liebe.
Pink für die Hoffnung auf Glück.
Gelb für die Hoffnung auf Bewahrung der Schöpfung.
Grün für die Hoffnung auf Zukunft.
Das sind keine abstrakten Begriffe.
Das sind die Sehnsüchte unserer Zeit.
Der Hirtenbrief ruft uns dazu auf, Menschen des Lichts zu sein – Menschen der Hoffnung.
Nicht zu resignieren, sondern Hoffnung konkret werden zu lassen.
In unserem Miteinander. In unseren Entscheidungen.
Vielleicht bedeutet das:
Heute ein Stück Gerechtigkeit wagen.
Heute Frieden suchen.
Heute Liebe zeigen.
Heute Glück teilen.
Heute die Schöpfung achten.
Heute Zukunft möglich machen.
Hoffnung ist Haltung.
Und sie bekommt Farbe – durch uns.
Barbara Melzl
Um mich auf die Fastenzeit einzustimmen, habe ich mich mit der Thematik der Unverfügbarkeit auseinandergesetzt. Diese Perspektive hat meinen Blick geschärft – und dem Fasten eine neue Tiefe gegeben.
Fasten bekommt vor diesem Hintergrund eine neue Bedeutung.
Es ist mehr als der Verzicht auf Gewohntes – auf Süsses, (soziale) Medien, Alkohol oder Konsum. Es ist ein bewusster Schritt aus der Logik der permanenten Verfügbarkeit.
Denn: Ich unterbreche. Ich stille nicht jedes Bedürfnis augenblicklich.
Wir leben in einer Zeit, in der schnelle Reaktionen, permanente Erreichbarkeit und unmittelbare Ergebnisse erwartet werden.
Doch Vertrauen entsteht nicht auf Knopfdruck.
Resonanz lässt sich nicht verordnen.
Sinn kann nicht produziert werden.
Was wirklich trägt, entzieht sich unserer Kontrolle.
Gerade darin liegt die Kraft des Fastens.
Es ist nicht nur individueller Verzicht, sondern eine leise Gegenbewegung.
Eine Unterbrechung.
Und Unterbrechung schafft Raum.
Raum für Wahrnehmung.
Für Beziehung.
Für das, was nicht gemacht, sondern nur empfangen werden kann.
Die Fastenzeit lädt uns ein, diese Haltung bewusst einzuüben – im Kleinen wie im Grossen.
Barbara Melzl
Bestohlen
Es geschah im Zug. Ich sass im Ruhewagen. Das sind jene Wagen, die das Zeichen «Psst» tragen und wo Telefongespräche – eigentlich – nicht erlaubt sind. Also bin ich durch die Glasschiebetür raus in den Vorraum und habe meinen Anfruf dort getätigt. Ich stand kaum 2 Meter von meinem Sitzplatz, auf dem ich Jacke und Rucksack deponiert hatte. Gefühlt hatte ich meine Sachen immer im Blick. Eben: gefühlt. Als ich an meinem Sitzplatz zurückkam, fiel mir auf, dass mein Rucksack geöffnet war. Ein Blick genügte, die Geldbörse war weg, Jemand hat mich bestohlen! Ich wurde so richtig sauer. Nicht weil ich viel Geld mitgetragen hatte (es waren nur 10 Schweizer Franken), aber so ein Diebstahl setzt eine ganze Maschinerie von Handlungen in Gang: Bankkarten sperren über Notfallnummer, Bahnabo sperren, Anzeige bei der Polizei – weil auch der Fahrausweis und die Identitätskarte weg waren. … Es nervt einfach! Immer und immer wieder bin ich die Situation im Zug in meinem Kopf durchgegangen. Und ja, mir ist eine Frau aufgefallen, die mehrmals den Gang im Wagen auf und ab ging. Ich sah sie durch die Schiebetür. Doch sie ist nie an mir vorbeigegangen. Ob sie potentielle Opfer auserkoren hat…? Und der Mann auf dem Sitzplatz über den Gang war auch weg als ich vom Telefonat zurückkam. Ich erinnere mich, dass er oben auf der Gepäckablage eine lange Zeit «herumhantiert» hatte. Er hat ihr Sichtschutz gegeben als sie meinen Rucksack räumte. So muss es gewesen sein.
Als mein Ärger verfolgen war, hatte ich beinahe Mitleid mit den Dieben. Sie gehen ein Risiko ein für – in meinem Fall – wenig Geld. Und ich frage mich: Ist ihre Not so gross? Oder was drängt sie? Sind sie das letzte Glied in einer Kette? Werden sie unterdrückt, benutzt, ausgenutzt? Ich stehe in Gedanken versunken am Bahnhof und warte auf den Bus, der mich nach Hause bringt. Dann die Situation, die sich am Bahnhof immer und immer wiederholt: «Guten Tag, Madame, haben Sie vielleicht etwas Kleingeld für mich?», so spricht mich ein eher ungepflegter nicht mehr ganz junger Mann an. Auch das noch, denke ich und: es nervt. Doch dann sage ich ebenso freundlich zu ihm: «Es tut mir leid, ich habe gar kein Geld dabei. Mir wurde eben die Geldbörse gestohlen.». Er schaut mich mit grossen Augen an und sagt: «Das tut mir sehr leid für Sie.» Und ich füge noch bei: «Im Zug.» Er: «Das ist unglaublich. Ich wünsche Ihnen trotzdem noch einen ganz schönen Tag.» Dann geht er weiter und fragt den nächsten Passanten. Er lässt mich mit einem Lächeln auf den Lippen zurück. Seine Anteilnahme empfand ich als echt und tat mir in dem Moment einfach gut. Es sind die kleinen Dinge, die den Alltag plötzlich in ein neues Licht rücken können. Die Diebe und den Diebstahl habe ich bereits vergessen, aber nach dem Bettler am Bahnhof halte ich Ausschau. Nächstes Mal habe ich Kleingeld dabei.
Sibylle Hardegger
Unterwegs in den Seelenlandschaften
Der Besuch der Ausstellung Seelenlandschaften im Landesmuseum Zürich war mehr als ein Gang durch Bilder.
Er wurde zu einem Weg nach innen.
Die Werke öffnen Räume für das, was in uns lebt:
Gefühle, Erinnerungen, Spannungen, Hoffnungen.
Sie zeigen Seelenleben nicht geordnet oder abgeschlossen,
sondern in Bewegung – vielschichtig. C.G. Jung beschreibt die Seele als Teil eines kollektiven Unbewussten,
das sich in archetypischen Bildern und Symbolen zeigt –
Bildern, die Menschen über Zeiten und Kulturen hinweg verbinden.
Jung hielt seine eigenen Erfahrungen mit dieser seelischen Dimension nicht nur schreibend fest.
Immer wieder taucht in seinen Arbeiten das Mandala auf:ein Symbol der seelischen Ganzheit, die er das Selbst nannte.
Beim Gehen durch die Ausstellung wurde genau dies spürbar: dass Bilder mehr sagen können als Worte.
Dass sie etwas in uns berühren.
Hier öffnet sich auch eine leise Verbindung zum Glauben.
Nicht als Erklärung.
Nicht als fertige Antwort.
Sondern als Raum.
Die Seelenlandschaften laden ein, dieser inneren Bewegung Raum zu geben.Und vielleicht einander neu zu begegnen – mit mehr Tiefe und Verbundenheit.
Barbara Melzl


In Luzern stehen 16 König:innenfiguren an verschiedenen Orten in der Stadt:
in Kirchen, Bibliotheken, Treffpunkten und öffentlichen Räumen.
Jede Figur ist Ausdruck einer Würde, die niemand verlieren kann.
Und jede öffnet einen Raum der Begegnung und der Reflexion –
einen Raum zum Innehalten und Wahrnehmen.
Wenn wir Menschen begegnen –
auf der Strasse,
im Gespräch,
oder in der Stille eines Raumes –,
dann begegnen wir auch der Würde, die jedem Menschen innewohnt.
Diese Ausstellung ist eine Einladung,
den Blick zu schärfen,
das Herz zu öffnen
und die Würde im Anderen
wie auch im eigenen Selbst zu entdecken.
Die Ausstellung „Würde unantastbar“ lädt ein, genau hinzusehen:
nicht nur auf die Figuren,
sondern auf uns selbst –
und aufeinander.
Barbara Melzl

In diesen Tagen, wenn die Dunkelheit früh hereinfällt und die Winterlandschaft zur Ruhe kommt, lädt der Laternenweg – Weg der 1000 Lichter im Naturpark Blausee zu einem besonderen Spaziergang ein:
langsamer zu werden.
Nicht, um anzukommen.
Sondern um wahrzunehmen.
Wer langsamer wird, beginnt wahrzunehmen:
die Stille zwischen den Gedanken,
den Atem im eigenen Rhythmus,
das Vertrauen, das wächst,
wenn wir uns dem Licht anvertrauen, das da ist.
Es ist mehr als ein Spaziergang.
Es ist ein Moment der Achtsamkeit –
ein langsames Gehen durch Licht und Schatten,
durch Stille und warmes Leuchten.
Vielleicht ist dieser Weg auch ein Bild für unseren eigenen Glaubensweg:
nicht immer klar, nicht immer hell – aber begleitet.
Barbara Melzl
Foto: Barbara Melzl

Kürzlich habe ich einen Spaziergang durch die Verenaschlucht bei Solothurn unternommen. Eine wunderschöne beinahe mystische Gegend. Am Wegrand hat jemand in unregelmässigen Abständen Kerzen aufgestellt. Mal eine, mal zwei. Für mich ein Sinnbild des Lebens.
Immer wieder scheint am Rand meines Lebenswegs ein Licht auf, das jemand für mich bereits stellt: Ein Lob, eine Aufmunterung, ein kleines Geschenk, ein nettes Wort. Es ist die Kunst des Lebens, diese Lichter wahrzunehmen.
Sibylle Hardegger

Weihnachten gilt seit jeher als das Fest der Herzen – doch in Apenrade erhält diese Idee eine besondere, beinahe märchenhafte Tiefe. Hier lassen liebevoll engagierte Ehrenamtliche eine Wärme entstehen, die gerade diejenigen erreicht, die sie in dieser Zeit am meisten brauchen.
Das Bahnhofsviertel
Im alten Bahnhofsviertel erwacht jedes Jahr die „Stadt der Weihnachtsherzen“ (Julehjertebyen) zum Leben – ein Ort, an dem es scheint, als läge über allem ein sanfter Zauber. Aus einem alten gusseisernen Ofen steigen süße Düfte von frisch gebackenen Pförtchen und warmem Milchreis auf. Das Essen wird mit offenem Herzen kostenlos verteilt, damit jeder Besucher ein Stück Weihnachtswärme mit nach Hause nehmen kann. Daneben gibt es kleine, festlich geschmückte Essensstände, an denen liebevoll zubereitete Köstlichkeiten verkauft werden.
Alle Zutaten stammen aus großzügigen Spenden der örtlichen Gewerbetreibenden, und hunderte Ehrenamtliche schenken ihre Zeit, um dieses Weihnachtswunder möglich zu machen.

Die kleinen Holzhäuser
Das Ziel der Stadt der Weihnachtsherzen ist es, inmitten des winterlichen Apenrade einen Ort zu erschaffen, an dem man Weihnachten so erleben kann, wie es vielleicht um 1850 gewesen sein könnte – still, warm, nostalgisch und voller Licht. Die kleinen Holzgebäude sind detailreiche Nachbildungen historischer Häuser der Stadt: des alten Rathauses, der Kirche, der Sdr. Hostrup Kro, der Sct. Jørgens Kirche, des Folkehjemmet und des Bahnhofs. Zwischen ihnen glitzert das Licht der Laternen, und für einen Augenblick fühlt man sich, als würde die Zeit stillstehen. (Mandy Friesike)
