Sonntag des Wortes Gottes
«Die Schrift nicht zu kennen heisst Christus nicht zu kennen», schrieb der Kirchenvater Hieronymus in der Spätantike. Er hat die Bibel ins Lateinische übersetzt, um sie der lateinisch sprechenden Christenheit zugänglich zu machen.
Diesen Sonntag feiern wir nun als Sonntag des Wortes Gottes. Papst Franziskus hat ihn eingeführt. Das Wort Gottes, das wir jeden Sonntag hören, soll in besonderer Weise als Quelle des Glaubens wahrgenommen werden. Es ist Erinnerung an das Heilshandeln Gottes, es gibt Orientierung für die Gegenwart und verkündet Hoffnung für die Zukunft. Die Aufmerksamkeit wird heute ausdrücklich auf die Heilige Schrift gelegt. Ja, die Heilige Schrift soll während der Eucharistiefeier sogar inthronisiert werden. Das verdeutlicht den Wert des Wortes Gottes als Richtschnur für unser Leben und unseren Glauben.
Auch wenn der Sonntag des Wortes Gottes nur einmal im Jahr gefeiert wird, so soll diese Feier für das ganze Jahr von Bedeutung sein.
Welches Wort Gottes hat dir die verschlossenen Augen geöffnet?
Welches Wort wärmt dir das Herz?
Hast Du einen Lieblingssatz aus der Bibel?
«Mir ist ein Licht aufgegangen», sagen wir, wenn wir plötzlich etwas verstanden haben, was uns vorher unklar oder schleierhaft war. Und wie sehr freuen wir uns, wenn wir nach einer langen und schwierigen Zeit endlich «Licht am Ende des Tunnels sehen». Diese Erfahrungen von Licht sind befreiend, lassen uns aufatmen und auch Kraft und neuen Mut schöpfen. Selbst das kleine Licht des Polarsterns kann uns in finsterer Nacht Orientierung geben.
Mit dem Wirken Jesu scheint ein helles Licht auf für die Menschen, die im Dunkeln sitzen und im Schattenreich des Todes wohnen. Diese Prophezeiung des Propheten Jesaja sieht der Evangelist Matthäus in Jesus erfüllt. Jesu Auftreten in Galiläa, das anfangshaft für die ganze Welt steht, erhellt nicht nur das Dunkel, sonders es will Leben schenken.
Wenn Jesus bei seinem ersten öffentlichen Auftreten zur Umkehr aufruft, dann geht es ihm nicht um Perfektionismus. Der Ruf zur Umkehr will das Herz zu einem Wandel bewegen, hin zu mehr Empathie und Nächstenliebe. Es sind Werte, die heute oft bedroht sind. Aber es gibt auch tolle Beispiele, die das Gegenteil beweisen. Ich denke dabei an die vielen berührenden Gesten der Solidarität und Verbundenheit mit den Menschen, deren Leben durch die Katastrophe in Crans Montana in tiefes Dunkel und eine grosse Ungewissheit gestürzt wurde. Diese Gesten haben positive Auswirkungen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen.
Wo dies geschieht, ist das Himmelreich, das Jesus verkündet hat, nahe. Eine gerechte Welt möglich. Und damit einher geht die Heilung von allen Krankheiten und Leiden. Im alltäglichen Leben und bei grossen Katastrophen.
Wo habe ich Erfahrungen von Licht gemacht, die mich Neues verstehen oder aufatmen haben lassen?
Kann ich jemanden ein Licht anzünden und so neuen Mut schenken?
Siegfried Ostermann

Ein starker Impuls zum Sonntag des Wortes Gottes. Besonders berührt mich die Frage: Welches Wort wärmt mir das Herz?
Eine Einladung, diesem Wort Raum zu geben – und selbst zum Licht für andere zu werden.
Danke. Für mich ist es ein Wort aus dem Propheten Jesaja: «Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.»
«Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken». Ein Wort, das mein Herz – immer – wärmt.