Ein Licht geht auf
«Da ging mir ein Licht auf», wie oft habe ich diesen Satz schon vor mich her gesagt … Wenn es mir nach langem Ringen, bei der Bewältigung einer erdrückenden Situation, plötzlich wie Schuppen von den Augen fiel: «Natürlich – das ist die Lösung!»
Wenn ich über diese wiederholte Erfahrung nachdenke, wird mir bewusst, dass sich – trotz schwieriger und problembehafteter Zeiten – eine Lichtspur durch mein Leben zieht.
Ich erinnere mich an einen Spruch, den meine Mutter mir vor 50 Jahren ins Poesiealbum schieb: «Wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Vertrau auf Gott und du wirst sehen, ohne Müh wird alles gehen.» Ich konnte damals mit dem Spruch nicht viel anfangen. Im Gegenteil – ich fand ihn fast ein bisschen plump und hätte eigentlich etwas Moderneres und Cooleres erwartet – in meinem Poesiealbum. Und doch ist es genau dieser Spruch, den ich als einzigen nach all den Jahren noch auswendig zitieren kann.
Zieht sich bei genauem Hinsehen nicht eine Lichtspur durch unser aller Leben? Vom Anfang bis zum Ende.
An diesem Wochenende feiert die katholische Kirche das Fest «Maria Lichtmess». Es ist ein guter Anlass, nach der Quelle des Lichtes Ausschau zu halten. Im Evangelium erzählt Lukas von einem Greis namens Simeon. Er wird fromm, gerecht und geistbegabt genannt. In jüngeren Jahren hatte er die Verheissung bekommen, dass er nicht sterben soll, bevor er den Messias gesehen hat. Simeon wartet seitdem geduldig auf die Erfüllung dieser Verheissung. Wir ihm das Licht aufgehen?
Auch die Prophetin Hanna war oft im Tempel anzutreffen, wo sie Gott durch Gebet und Fasten diente. Auch sie lebte ganz in der Hoffnung auf den Erlöser, der einst für die Schwachen und Unterdrückten eintreten würde – Licht im Dunkel. Simeon und Hanna sind in einem lebenslangen Hoffnungsprozess. Geduld war nötig. Dann kam der Tag, an dem Simeon diese ärmliche Familie mit dem Kind im Arm seiner Mutter erblickte. Da überflutete eine Glückswelle sein Herz. Er erkannte im Kind den Menschen, der von Gott erzählen, der Heilung bringen, aber auch auf Widerstand stossen und hingerichtet wird. In prophetischem Geist konnte er diese Erkenntnis deuten. Diese Szene ist adventlich, weihnachtlich, leidend-durchkreuzt und österlich zugleich.
Auch Hanna im Tempel gegenwärtig, erkannte im Säugling den erhofften Erlöser. Sie erzählte allen davon, die wie sie Rettung aus Unterdrückung und Unrecht herbeisehnten. Simeon und Hanna hatten geduldig gehofft, gewartet, erwartet. Ihnen ist ein Licht aufgegangen!
Sibylle Hardegger
