Fastenzeit – eine Zeit, bewusster zu werden
Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Sie erinnert an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbrachte – eine Zeit des Gebets, des Verzichts und der inneren Klärung. In der katholischen Kirche ist diese Zeit eine Einladung zur Umkehr, zur Erneuerung und zur bewussten Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung und des Lebens.
Das Aschenkreuz, das am Beginn der Fastenzeit – am Aschermittwoch – auf die Stirn gezeichnet wird, ist ein Zeichen der Vergänglichkeit – und zugleich ein Zeichen der Hoffnung: Gott geht mit uns, auch in Zeiten des Wandels.
Die Fastenzeit lädt uns ein, im Alltag kurz innezuhalten. Nicht alles muss schneller, voller oder perfekter werden. Traditionell kennt die Kirche drei Wege, die durch diese Zeit führen:
Gebet, Fasten und Werke der Nächstenliebe.
Vielleicht bedeutet Fasten heute:
ein freundlicheres Wort,
mehr Zeit füreinander,
bewusstes Verzichten auf das, was uns ablenkt,
weniger Streit, weniger Lärm,
mehr Aufmerksamkeit für Gott und füreinander.
Fasten ist mehr als Verzicht auf Essen. Es ist eine Haltung: sich neu ausrichten, Ballast loslassen, das Herz weiten. Es geht nicht darum, weniger zu werden – sondern innerlich freier.
Die kommenden Wochen sind eine Chance, gemeinsam zu entdecken, was wirklich guttut.
Schritt für Schritt auf Ostern zu – auf das Licht, das stärker ist als alles Dunkel.
Früher brauchte man zur Herstellung von Seifen Pottasche. Also jene Asche, die entsteht, wenn Pflanzen verbrannt werden. Sie wurde zu einer Lauge verarbeitet und Fett und Öl wurden ihr zugefügt. Die Asche, mit der sich Christen und Christinnen am Aschermittwoch bezeichnen lassen, wird in der Regel aus den übriggebliebenen und verbrannten Zweigen des Palmsonntags gewonnen. Sie ist also eine Art Pottasche. „Bedenke Mensch!“ oder „Kehr um!“ wird bei der Auflegung der Asche gesagt. Besinnung und Umkehr haben etwas Reinigendes an sich. Reinigend wie Seife sein will. In den vergangenen Jahren wurden wir oft darauf hingewiesen, gründlich die Hände mit Seife zu waschen. Wäre aber angesichts der österlichen Busszeit nicht auch eine Reinigung der Gedanken und der Herzen angesagt? Mindestens so gründlich wie jene der Hände und mindestens so häufig! Die Pottasche im Zusammenhang mit Seife wird zum Beispiel erwähnt im Buch Jeremia, wo Gott sein treuloses Volk ermahnt (Jer 2,21-22). Bei Jeremia zeigt Gottes Ermahnung, dass neben der äusserlichen Reinigung mit Seife vor Gott auch eine innerliche Reinigung vollzogen werden soll. Vielleicht vermag die Seife für uns ein Vehikel für Besinnung und Umkehr werden in der österlichen Busszeit. Ich jedenfalls habe mir eine neues Stück Seife im Bad bereitgelegt. Ein Stück Seife, das duftet und zudem noch schön anzusehen ist. Wenn ich mir damit die Hände reinige, will ich in den nächsten 40 Tagen immer auch daran denken, dass ich den Weg der inneren Umkehr gehen muss. Mehrmals täglich die vorgeschriebenen 20 Sekunden für die Handhygiene auch für die Kopf- und Herzhygiene zu nützen, wird wohltuend sein. Ich wünsche eine inspirierende Zeit und eine gute Vorbereitung auf das Osterfest.
Sibylle Hardegger
