Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit. Ostern ist das Fest an dem der Sieg des Lebens über den Tod gefeiert wird.
Jesus Christus wurde verraten, ausgeliefert, verurteilt und gekreuzigt. Er ist gestorben. Doch am dritten Tag ist er als Erster von den Toten auferstanden.
Das Grab, in das er hineingelegt wurde und das mit einem grossen Stein verschlossen wurde, war leer.
Jesus begegnet in der Folge seinen Freunden und Freundinnen: Maria von Magdala am Ostermorgen, den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus, am Osterabend den versammelten Jüngerinnen und Jüngern. Sie sassen hinter verschlossenen Türen, doch das hielt Jesus nicht auf. Viele Begegnungen mit dem Auferstanden sind uns in den Evangelien überliefert. Wir hören sie in der Liturgie der kommenden Sonntage bis Pfingsten.
Mit dem Osterfest beginnt auch die 50tägige Osterzeit. Sie dauert bis Pfingsten. 50 Freudentage an denen es die Osterfreude auszukosten gilt.
Wandlung
Eine Blaubeere ist rot, wenn sie noch grün ist. Diesen Satz habe ich vor vielen Jahren einmal in einer Predigt gehört. Er ist mir seither in Erinnerung geblieben, auch wenn ich nicht mehr weiss, welcher Bibelabschnitt damit ausgelegt wurde. Eine Blaubeere ist rot, wenn sie noch grün ist. Dieser Satz fordert heraus, er regt zum Nachdenken an. Da wird ein Wandel beschrieben, eine Verwandlung, die wir so nicht erwarten würden. Er besagt, dass ich beim ersten Hinschauen auf die Situation nicht die volle Wirklichkeit erkenne. Ja, manchmal braucht es ein zweites, ein drittes Hinschauen, damit ich eine Situation richtig einschätzen oder eine Begebenheit in ihrer ganzen Fülle erfassen kann. Die Verwandlung der Blaubeere vollzieht sich so fein und schleichend, dass ich sie kaum wahrnehme. Es gibt weit bedeutendere Wandlungen und Verwandlungen in unserem Leben. Nicht zu vergessen der Bewusstseinswandel und der Wertewandel, die sich in unserer Gesellschaft unablässig vollziehen, oder der Klimawandel, der unaufhaltsam fortschreitet. Immer wenn ich im wörtlichen oder übertragenen Sinn auf-breche, mich auf den Weg mache, mich öffne, Neuem begegne, geschieht Verwandlung bei mir, in mir, durch mich. Christen und Christinnen bedeutet der eine Wandel alles: Ostern! Da verwandelt Gott den Tod in das Leben, die Dunkelheit ins Licht, Angst in Vertrauen, das Grab in den Ort der Engel. Auferstehung ist die Verwandlung schlechthin. Für die erste Zeugin, Maria von Magdala, ist diese Wandlung nicht erkennbar, ohne dass auch sie sich „wandelt“. Erst als sie sich umwendet weg vom Grab, hin in den Garten, lässt sie den Tod hinter sich, und das Leben steht vor ihr. Mit Ostern schenkt uns Gott den Glauben, dass nichts unmöglich bleibt. Mit Ostern fallen die Mauern des Todes und damit Raum und Zeit. Es gibt nur noch das „Jetzt“ und die Gegenwart des Auferstandenen. Mit dieser Gewissheit in jeden neuen Tag hinein aufzubrechen und sich selber immer neu verwandeln lassen: Das meint Ostern. Halleluja!
Bereits an Ostern verkündeten die Engel am leeren Grab den Jüngern und Jüngerinnen, sie sollen nach Galiläa gehen, um den Auferstandenen zu sehen.
Warum Galiläa? Die Jünger Jesu kamen mehrheitlich aus Galiläa. Galiläa, das ist ihr Alltag. Dort wo sie aufgewachsen sind, dort wo sie lebten. Genau dort wird der Auferstandene ihnen begegnen. Mitten in ihrem Alltag. So erzählen es uns auch die Evangelien auch an den kommenden Sonntagen, zum Beispiel wie Jesus den Jüngern am See von Genezareth (in Galiläa) begegnet.
Wo ist Dein ganz persönliches Galiläa? Halte Ausschau nach Begegnungen mit Jesus in Deinem Alltag und Du wirst Dein Galiläa finden.
Tage, ja Wochen bereiten wir uns in der Regel auf grosse Feste vor. Vorbereitungen für Hochzeiten dauern Monate, manchmal ein ganzes Jahr. Dann: der Festtag und alles ist wieder Geschichte. 4 Wochen Advent sind es, die uns auf Weihnachten vorbereiten; 40 Tage in der österlichen Busszeit, die uns auf das Osterfest zugehen lassen. Bereits am Osterdienstag gibt es die Schoggihasen mit bis zu 75% Rabatt zu kaufen. Wir kehren zurück in den Alltag nach den heiligen Tagen. Ostern ist wieder vorbei, obwohl die Osterzeit bis Pfingsten dauert.
Warum nur hat das «Auskosten» der grossen christlichen Feste nicht mehr Eingang gefunden in den Alltag der Christen und Christinnen? Uns sind 50 Tage geschenkt, die Osterfreude so richtig auszukosten! 50 Freudentage, an denen das österliche Halleluja erklingen will. Lassen wir es erklingen in unserem Alltag!
