Lasst euch nicht verwirren? Joh 14,1-12
Es sind zwei kurze Sätze aus diesem Abschnitt des Johannesevangeliums, die mich besonders ansprechen. «Euer Herz lasse sich nicht verwirren.» – so sagt Jesus zu seinen Jüngerinnen und Jüngern. Und zu Thomas spricht er: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.»
Mir gehen Begegnungen und Erfahrungen manchmal sehr zu Herzen. Vieles berührt mich, manches belastet mich. Manchmal trifft mich etwas mitten ins Herz. Das kann schmerzvoll sein und weh tun. Wenn ich dann nicht mehr ein und aus weiss, wenn sich mir den Kopf dreht und ich nicht weiss, wohin mit meinen Gedanken, hilft mir dieser Zuspruch: «Euer Herz lasse sich nicht verwirren.» Das funktioniert nicht wie ein Lichtschalter, den ich umlegen kann und der Licht in einen dunklen Raum bringt. So einfach ist das dann doch nicht. Es ist eher wie bei der alten Energiesparlampe im Schlafzimmer, die Zeit braucht, die zuerst auf Temperatur kommen muss, damit sie richtig Licht gibt. Und wenn es dann langsam hell wird, kann ich mich auch wieder zurechtfinden und die Dinge in einem anderen Licht sehen und ins rechte Licht rücken.
Thomas kennen wir als Zweifler. Er konnte erst an den Auferstandenen glauben, als er ihn wirklich sah und berührte. Er ist auch der, der die Frage nach dem Weg stellt: «Wohin gehst Du? Wie können wir den Weg kenne?» Die Antwort ist klar: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.» Jesus ist der Weg.
Ein Weg ist nicht ein Punkt, sondern eine Weg-Strecke, auf der ich unterwegs bin, mit Kurven, Anstiegen, Gegenverkehr und wechselnden Landschaften. Der Weg ist nicht einfach das Ziel, das Unterwegs sein schon eher. Jesus war zu Lebzeiten viel unterwegs, meist in einer bunten Gesellschaft. Besonders eindrücklich ist dabei der gemeinsame Weg mit den verwirrten Jüngern nach Emmaus: Der Auferstandene mit ihnen auf dem Weg – und mit uns – und zeigt sich am Ende des Tages.
Was hilft Dir, wenn Dir etwas zu Herzen geht und Dich verwirrt?
Gibt es Momente, von denen Du sagen kannst, dass Jesus mit Dir unterwegs ist und Dir Richtung und Orientierung gibt?
Siegfried Ostermann

Dankeschön fürs Teilen Deiner Gedanken, Siegfried. Mich spricht noch ein dritter Satz in dieser Perikope besonders an: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“.
Gerade wenn mein Herz verwirrt ist, klingt darin für mich eine leise Zusage: dass bei Gott immer Raum für mich ist – ein Platz, an dem ich angenommen bin und einfach sein darf, wie ich bin.