Ich komme ursprünglich aus dem Bereich des Theaters. Nach einem einjährigen Volontariat in der Dramaturgie der Bayerischen Staatsoper in München hatte ich Feuer gefangen für die Welt der Oper. Nach meiner ersten Station in St. Gallen, wo ich vier Jahre für das Musiktheater zuständig war, ging es in den Osten von Deutschland, an die Oper Leipzig. Als ich dann nach 14 Jahren aus privaten Gründen nach Bern zog und auf der Suche nach einem neuen Job war, bin ich bei der Katholischen Kirche gelandet.
Die erste Frage, die mir viele Leute heute stellen, lautet: «Wie kommt man vom Theater zur Kirche? Das liegt aber sehr weit auseinander.» Mit einem Lächeln fügen die meisten noch hinzu: «Naja, in der Kirche gibt es auch häufig grosses Theater.» Und damit meinen sie nicht etwa das Theatrum sacrum, sondern die Welt der Eitelkeiten, Intrigen und Allüren.
Aus meiner Sicht ist die Verbindung sogar sehr naheliegend: Schon als ich im Theater gearbeitet habe, wollte ich immer etwas mit Menschen für Menschen tun. Das Theater, noch mehr die Oper, kann eine Schule der Empathiefähigkeit sein. Es ist ein Ort, wo wir mit uns selbst und unseren Gefühlen in Berührung kommen. Es ist ein Ort des Austauschs zwischen Menschen. Und es ist ein Ort, den wir bestenfalls inspiriert und als bessere Menschen wieder verlassen. «Katharsis», innere Läuterung, nannten das schon die alten Griechen.
Und so verstehe ich auch die Arbeit bei der Kirche als eine Arbeit für die Menschen, die Menschen, die sich hier Tag für Tag engagieren, die Menschen, die die Angebote der Kirche in Anspruch nehmen, und die Menschen, die vielleicht – ähnlich wie manche Theaterbesuche:innen – mit Klischees auf die Kirche und auf gläubige Menschen schauen.
