Im Jahr 1988 wurde Kaspar Stangassinger von Papst Johannes Paul II. in Rom selig gesprochen. Der Redemptoristenpater war der erste Direktor des Internats, das ich seit 1986 besuchte. Alles freute sich auf das Grossereignis in Rom, für das eigens ein Sonderzug von Rosenheim eingerichtet wurde. Der Internatsdirektor Pater Fritz Kästner sorgte dafür, dass seine «Buam» auf dem Petersplatz direkt neben dem Altar platziert wurden. Und in Santa Maria Maggiore fand ein Gottesdienst mit Kardinal Joseph Ratzinger statt, bei dem wir mit unserer Knabenschola aufgetreten sind.

Auch wenn meine Haltung in Glaubensfragen im Verlauf der Jahre sicherlich gereift ist, mit Sicherheit auch das Verhältnis zu kirchlichen Autoritäten, so habe ich die kindliche Begeisterung für die Stadt Rom nie verloren, in der noch heute Antike und Moderne wie selbstverständlich ineinanderfliessen, die so viel erzählt über Lust und Frust unseres Glaubens. Sie ist ein Sehnsuchtsort einer Jahrtausende andauernden Suche nach Gott und lässt die unterschiedlichen Formen zu glauben zu einem grossen Bild der Selbstverständlichkeit und Grosszügigkeit verschmelzen.
Und so komme ich wie in diesem Februar immer wieder gerne an diesen vertrauten Ort zurück, vielleicht auch um einem Stück Kindheit in mir wieder zu begegnen, aber auch um ein Stück von diesem Lebensgefühl des Lebens und Lebenlassens zu tanken.
