Meine erste Bekanntschaft mit dem heiligen Franz von Assisi machte ich als Kind, als ich mit meiner Familie durch Umbrien reiste. Vom Aufenthalt in Assisi ist mir der Besuch am Grab des Heiligen besonders in Erinnerung geblieben. Diese dichte, aufgeladene Stille erfüllte mich mit grosser Ehrfurcht.
Später begegnete mir Franz immer wieder: sei es als kompromissloser Nachfolger Jesu, als naturverbundener Lobredner der Schöpfung oder als fröhlicher Verkünder der Frohbotschaft. Auch durfte ich Menschen begegnen, die ihr Leben auf besondere Weise an Franz ausrichteten. So etwa an einer Gründonnerstagfeier im Kapuzinerkloster Luzern, wo ganz schlicht miteinander Brot und Wein geteilt wurden. Die zutiefst menschliche Einfachheit beeindruckt mich bis heute.
Gerade in den letzten Wochen und Monaten ist mir Franz neu begegnet. Mich ergreift, wie durchgängig von Freude die Rede ist, wenn es um Franz geht, und wie wenig sie mit günstigen Umständen zu tun hat. Franz preist Gott im Sonnengesang, als ihm das Augenlicht schwindet und sein Orden längst andere Wege geht, und lobt ihn sogar für «Schwester Tod». Diese Freude ist also kein Wegsehen, sondern ein Vertrauen, das dem Widrigen standhält. Diese Freude ermutigt mich, dem Leben zu (ver)trauen und mich immer wieder auf das grosse Geheimnis auszurichten, das wir Gott nennen.
