«Es esch doch au es Chrüz met …»
Viele kennen diesen Mundartsatz. Ja, es ist hie und da tatsächlich ein Kreuz mit diesem und jenem, mit den Umständen, mit Menschen, mit dem Leben. Vieles wird im Alltag zu einem «Kreuz», etwas, dem wir doch am liebsten ausweichen möchten. Doch manche Kreuze lassen sich nicht einfach weglegen. Sie gehören zu unserem Menschsein.
Im Evangelium des heutigen Sonntags sagt Jesus: «Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.» (Mt 10,38)
Ein schwieriges Wort. Es klingt hart und ausschliessend. Wie ich darüber nachsinne, finde ich einen neuen Zugang.
Ja, wir können den kleinen und grossen Kreuzen des Lebens kaum ausweichen.
Dann erkenne ich, wer Jesus, wie er sich das wünscht, nachfolgt, geht mit ihm.
Das darf man zusammenbringen. Jesus sagt also nicht: Trage Dein Kreuz allein. Nein, er sagt im Grunde genommen: Wer sein Kreuz auf sich nimmt, geht mit mir. Wir gehen miteinander.
Aus der Perspektive Jesu betrachtet, heisst das: Nimm Deine Kreuze an – die kleinen und die grossen. Aber trag sie hoffnungsvoll und zuversichtlich. Trag sie so, dass Du Dich meiner Begleitung würdig zeigst.
Das Kreuz ist im christlichen Glauben nicht nur ein Zeichen für Schmerz und Belastung. Im Blick auf Jesus wird aus dem Kreuz ein Ort der Verbindung: eine Verbindung von Glauben, Hoffnung, Zuversicht und Liebe.
Wer seine Kreuze im Vertrauen auf Gott trägt, entdeckt manchmal eine Kraft, die vorher verborgen war. Und manchmal wird das, was uns belastet, leichter – weil wir es nicht alleine tragen.
So liesse sich denn das Wort Jesu im heutigen Evangelium auch folgendermassen lesen: «Wer sein Kreuz im Glauben an meine begleitende Kraft und Liebe trägt – erweist sich der Erfahrung meiner Begleitung wert.»
Ein Versuch ist es allemal wert.
+ Josef Stübi
