Wenn das Wenige plötzlich genügt
Es beginnt mit einer traurigen Nachricht. Johannes der Täufer wurde hingerichtet. Jesus zieht sich zurück. Er sucht die Stille, den Abstand, vielleicht auch Zeit zum Trauern.
Doch die Menschen lassen ihn nicht allein. Sie folgen ihm. Und anstatt sie wegzuschicken, zieht Jesus sie an. Das Evangelium sagt schlicht: «Er hatte Mitleid mit ihnen.» Dieses Wort meint mehr als Mitgefühl. Es beschreibt ein tiefes Ergriffensein – ein Herz, das sich von der Not anderer bewegen lässt.
Als es Abend wird, sehen die Jünger vor allem das Problem. Ein abgelegener Ort. Tausende Menschen. Zu wenig Essen.
Jesus sieht etwas anderes.
«Gebt ihr ihnen zu essen.»
Dieser Satz wirkt bis heute herausfordernd. Denn die Jünger haben tatsächlich kaum etwas: fünf Brote und zwei Fische. Menschlich betrachtet reicht das niemals.
Wie oft denken wir ähnlich? Für einen Besuch fehlt die Zeit. Für ein offenes Ohr die Kraft. Für ein gutes Wort der Mut. Wir sehen zuerst den Mangel.
Jesus bittet jedoch nicht um das, was wir nicht besitzen. Er fragt nach dem, was bereits da ist.
Er nimmt das Wenige, dankt Gott dafür und teilt es. Erst im Teilen wird sichtbar, dass es genügt. Das Wunder beginnt nicht mit Überfluss, sondern mit Vertrauen.
Vielleicht ist das auch die Einladung dieses Sonntags: Nicht darauf zu warten, bis wir mehr Zeit, mehr Geld oder mehr Möglichkeiten haben. Sondern das einzusetzen, was wir heute schon besitzen.
Ein freundliches Wort.
Ein offenes Ohr.
Ein Anruf.
Ein Stück Zeit.
Eine helfende Hand.
Gott kann aus kleinen Gesten Grosses wachsen lassen.
Vielleicht beginnt das Wunder nicht erst dort, wo alles perfekt ist – sondern genau dort, wo wir den Mut haben, unser kleines «Ja» mit anderen zu teilen.
Impuls zum Mitnehmen
Gott fragt nicht zuerst, wie viel wir haben. Er fragt, ob wir bereit sind zu teilen. Denn aus dem, was wir ihm anvertrauen, kann mehr werden, als wir uns vorstellen.
Norman Zöllner

«Das Wunder beginnt nicht mit Überfluss, sondern mit Vertrauen.» Danke für diesen wunderbaren Satz, den ich sehr gerne mitnehme.