Der dritte Sonntag der Osterzeit stellt uns eine der berührendsten Begegnungen nach Ostern vor: den Weg nach Emmaus. ( Lk 24, 13-35) Zwei Jünger sind unterwegs – weg von Jerusalem, weg von der Hoffnung. Was sie erlebt haben, hat sie erschüttert. Ihre Erwartungen sind zerbrochen. „Wir aber hatten gehofft …“ – dieser Satz trägt all ihre Enttäuschung.
Jesus selbst gesellt sich zu ihnen. Er geht mit. Unaufdringlich. Fragend. Hörend. Doch sie erkennen ihn nicht.
Wie oft ist das auch unsere Erfahrung:
Wir sind unterwegs, beschäftigt, im Gespräch – und merken nicht, dass ER längst an unserer Seite ist.
Du Weg meines Lebens – mein Emmausweg
Du kennst meine Strecken –
die leichten und die schweren,
die klaren und die verwirrenden.
Du weisst, wie oft ich gehe
mit Fragen im Herzen,
mit Enttäuschungen im Gepäck,
mit unerfüllten Hoffnungen.
Und manchmal merke ich nicht,
dass DU längst neben mir gehst.
Die beiden Jünger erzählen. Sie schütten ihr Herz aus. Und Jesus hört zu. Dann beginnt er zu deuten. Er eröffnet ihnen die Schrift.
Noch erkennen sie ihn nicht –
aber etwas beginnt sich zu verändern:
„Brannte nicht unser Herz …?“
Der Glaube beginnt oft nicht mit Sehen, sondern mit einem inneren Brennen. Mit einem leisen Ahnen: Da ist mehr. Da ist jemand.
Erst am Tisch geschieht die Wendung.
Im Brechen des Brotes erkennen sie ihn.
Ein vertrauter Moment.
Eine einfache Geste.
Und plötzlich: Klarheit.
Jesus ist da – mitten im Alltag, mitten im Teilen, mitten im Leben.
Und im selben Augenblick ist er auch wieder entzogen.
Glaube lässt sich nicht festhalten – aber er verändert.
Norman Zöllner
