Mitten drin
Der 7. Sonntag der Osterzeit liegt tatsächlich – mitten drin – zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Und hier «mitten drin», so die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte, befanden sich die Jünger, und Jüngerinnen nach der Himmelfahrt Jesu. Sie waren mitten drin – sozusagen zwischen gestern und morgen – zwischen schon und noch nicht.
In diesem Sinne mitten drin zu sein, ist eigentlich eine schöne Erfahrung. Man ist von Erinnerungen umgeben – aber auch von Hoffnung. Man schliesst etwas ab – und schaut gleichzeitig gespannt nach vorne. Mitten drin ist alles offen und nichts ist unmöglich. Die Zukunft hat ihr Geheimnis.
Dieser Sonntag «mitten drin» kann auch als Abbild der Christen und Christinnen in dieser Welt gelesen werden. Was mit uns in der Taufe begann, ist noch nicht am Ziel. – Auch wir sind mittendrin – voll Zuversicht, Hoffnung und Glaubenskraft – auf jenes Geheimnis hin, von welchem Ostern und Himmelfahrt berichten und das an Pfingsten neu zu leuchten beginnt auch und gerade durch den gelebten Glauben der christlichen Gemeinschaft.
Die Jünger mit Maria und einer Gruppe von Frauen und Männern sind im Obergemach. Sie tun nicht nichts. Sie beten. Und im betenden Herzen geht der Himmel auf, leuchtet die Weite der Unendlichkeit Gottes. Und genauso wie Jene damals hängen auch wir mitten drin in dieser Unendlichkeit der Liebe Gottes – hängen wir mitten drin, weil auch wir Teil dieser Unendlichkeit sind.
Schliessen wir diesen Impuls mit einem Gebet des heutigen Sonntages. Es ist der Antwortpsalm zwischen der ersten und zweiten Lesung – Es sind Verse aus dem Psalm 27:
Der Herr ist mein Licht und mein Heil:
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist die Kraft meines Lebens:
Vor wem sollte mir bangen?
Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich:
Im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens,
die Freundlichkeit des Herrn zu schauen
und nachzusinnen in seinem Tempel.
Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen;
sei mir gnädig und erhöre mich!
Mein Herz denkt an dein Wort: «Sucht mein Angesicht!»
Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
+Josef Stübi, Weihbischof Bistum Basel

‚Mittendrin’ ist die spannendste aller Daseinsweisen. Sie erinnert mich an den Text aus dem Römerbrief:
Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. (Röm 8, 24-25)
Dazu kommt mir ein Gedanke von Søren Kierkegaard in den Sinn: Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. Für mich klingt darin etwas von diesem «Mitten drin» an – von dieser Zwischenzeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten: Nicht alles ist schon verstanden, was geschehen ist – und doch ist da eine Haltung des betenden Erwartens.