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Am tiefsten Punkt

Bei einer meiner vielen Zugfahrten fand ich auf dem Sitz eine Zeitschrift. Ich blätterte etwas darin herum, bis ein Artikel meine Aufmerksamkeit erregte: Der Jordangraben ist der tiefste Punkt der Erde. Kann das sein? Ich erinnerte mich, dass ich in der Schule vom Marianengraben gehört hatte als tiefste Stelle der Erde – 11 Kilometer unter Meeresspiegel. Was hat es also mit dem Jordangraben auf sich, der sich von Norden her durch das ganze Heilige Land bis ins Rote Meer zieht? Frau Google konnte mir Auskunft geben: Im Jordangraben, genauer am Ufer des Toten Meeres, liegt die tiefste zugängliche Stelle an Land auf der Erdoberfläche. Dieser Punkt liegt etwa 430 Meter unter dem Meeresspiegel. Also im Jordangraben liegt der tiefste Punkt an Land und im Marianengraben der tiefste Punkt der Erde überhaupt. Wieder was gelernt, denke ich. Doch so schnell lässt mich diese tiefste Stelle im Jordantal nicht los. An Weihnachten erzählen wir davon, dass Gott sich in einem kleinen Kind zu den Menschen hinbewegt hat. Er selber macht sich so klein, dass wir uns an der Krippe zu ihm hinabbeugen müssen. Drei Wochen später feiern wir die Taufe dieses Gotteskindes im Jordan. Am tiefsten Punkt der Erde! Diese geographische Lage bekommt in meinen Gedanken plötzlich Bedeutung. Am tiefsten Punkt der Erde steigt Jesus in die Tiefen des Jordan. Er zeigt uns damit, dass Gott Mensch wurde, um in die tiefsten Tiefen unseres Menschseins abzusteigen. Und genau da öffnet sich der Himmel und eine Stimme spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Die Erzählung von der Taufe Jesu bekommt für mich plötzlich eine neue Perspektive: Als getaufter Mensch bin ich nicht geschützt von den tiefsten Tiefen des Lebens – nicht vor Abstürzen und Abstiegen. Aber durch mein Getauftsein darf ich gewiss sein, auch an den «tiefsten Stellen meines Lebens» spricht Gott mir zu: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dem und an der ich Wohlgefallen gefunden habe.

Sibylle Hardegger

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(Tobit 4,15a-16.18.)

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Gott, in deiner Liebe und Güte hast du uns gelehrt, dir in Busse, Gebet, Fasten und Nächstenliebe nahe zu sein. Nimm unser Fasten als Zeichen des guten Willens und und richte uns auf, wenn wir schwächeln, durch deine unendliche Barmherzigkeit; durch Jesus Christus, unseren Bruder Amen.