Die Berufung des Mose
Mose ist ein Pilger auf der Flucht. Er hat Ägypten hinter sich gelassen, ist in der Wüste von Midian untergetaucht und hütet Schafe. Er glaubt, seine Geschichte sei zu Ende. Doch Gottes Wege beginnen oft dort, wo unsere Sackgassen enden. Am Berg Horeb sieht Mose ein Feuer, das brennt, aber nicht verbrennt. Er bleibt stehen. Er wendet sich um. Aus dem Dornbusch spricht der Gott seiner Väter. Er fordert Mose auf, die Schuhe auszuziehen, denn selbst der staubige Wüstenboden ist heiliger Boden, wenn Gott da ist. Hier offenbart sich der Höchste nicht als ferne Macht, sondern als Gott der Anteilnahme: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen und ihr Geschrei gehört.“ Gott leidet mit. Und er ruft Mose, den Zögerlichen, den Stotterer, zurück auf den Weg. Mose hat Angst: „Wer bin ich schon?“ Doch Gott antwortet nicht mit einer Liste von Moses Qualitäten, sondern mit einer Zusage seiner eigenen Gegenwart: „Ich werde mit dir sein.“ Der Gottesname JHWH – „Ich bin der, der da ist“ – wird zum Proviant für die unmöglich scheinende Mission: Ein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit zu führen. Der einsame Hirte wird zum Hirten des Volkes Gottes.
Welcher „Dornbusch“ brennt vielleicht gerade in meinem Leben – ein Ereignis oder ein Gedanke, der meine Aufmerksamkeit fordert – und habe ich den Mut, stehenzubleiben und genau hinzusehen?
