5. Sonntag der Fastenzeit (Joh 11,1-45)
Das lange Evangelium von der Aufweckung des Lazarus ist ein Text voller Emotionen, bei denen es um Liebe, Leid, Hoffnung, Tod und Leben geht.
Jesus kommt zu spät, um den kranken Lazarus von seiner Krankheit zu heilen. Lazarus war nicht irgendein Freund. Nein, Jesus hatte ihn lieb. Er lässt sich im Inneresten berühren von der Trauer der beiden Schwestern Marta und Maria und der anwesenden Juden. Sie waren gekommen, um die beiden Frauen zu trösten. Ja, Jesus weint mit Maria und Marta über den verstorbenen Bruder Lazarus. Er ist im Innersten erregt und erschüttert, weil er sich vom Leid berühren lässt.
Schon seit vier Tagen liegt der Verstorbene im Grab. Für alle ist klar: Hier gibt es nichts mehr zu tun, hier gibt es keine Hoffnung mehr. Der Tod ist das Ende. Die Schwestern behalten dennoch ihren Glauben an Gottes Macht über den Tod, auch wenn sie die Hoffnung aufgegeben haben, ihren Bruder noch einmal lebend zu sehen.
Mit lauter Stimme ruft Jesus: «Lazarus, komm heraus!» Jesus ruft ihn zurück ins Leben. Er ruft ihn heraus aus der Dunkelheit ins Licht, aus dem Tod ins Leben. Alles, was Lazarus bindet, soll weggenommen werden, damit er wieder gehen kann. Es sind die liebevollen Beziehungen, die Lazarus tragen, damit er wieder ins Leben zurückkehren kann.
Jesus rettet einen Menschen aus dem Tod, der ihn zu früh ereilt hat. Denn er will wahres Leben schon hier und jetzt: «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.» Er spendet keinen billigen Trost und er vertröstet auch nicht. Es ist eine Auferstehung mitten im Leben.
Vielleicht hast Du auch schon in Deinem Leben eine Erfahrung gemacht, die wie eine Auferstehung mitten am Tag ist.
Siegfried Ostermann
