Es kostet mich jedes Mal etwas Überwindung, durch das Dorf zu laufen. Jedes Mal begleitet mich dieses seltsame Gefühl von Unwohlsein. Jeder Gang durch den Weiler ist ein Gang ins Ungewisse. Jeder Spaziergang im Wissen darum, dass ich hier der einzige Weisse bin. Das Gefühl wegen meiner Hautfarbe aufzufallen, begleitet mich auf Schritt und Tritt.
Manchmal bleibe ich so lange im Gemeindehaus, bis ich nicht mehr anders kann als meiner Sehnsucht nach Bewegung und Begegnung zu folgen.
Ich trete auf die Strasse mit einer Unsicherheit in mir und umfasse fest mein Holzkreuz in meiner rechten Hosentasche und weiss:
ich bin nicht allein.
Ich laufe an der Kirche vorbei, sehe die grüne Landschaft, die grossen Wolken, spüre, wie meine Schuhe die Erde berühren. Ich nehme wahr, um nicht innerlich zu entfliehen.
Meine Brust immer noch etwas eng, laufe ich an den ersten Häusern vorbei. Ein Kind lacht, ruft «Muzungu!» und winkt mir zu. Ich rufe zurück «Umelinda uli?». Die Begrüssungsfloskeln kenne ich mittlerweile.
Und das übergrosse Gefühl der Angst, das Versagen verspricht, ist wie weggeblasen. Kinderhände berühren meine grosse weisse Hand, lachende Augen begegnen den meinen und winkende Hände fliegen durch die Luft.
Gott ist gross.
