Ich mag Tiere allgemein sehr gut.
Wenn es um die Schnecke geht, bin ich besonders fasziniert.
Dieses langsame, stille, schleichende Tier. So verletzlich, immer das Haus bei sich.
Und doch auch nicht ganz ohne – es kann ja ganze Felder wegfressen, zumindest in Teamarbeit.
Nun, auf meinen Spaziergängen hier begegne ich auch ab und zu einer Schnecke. Wenn ich die Kamera dabeihabe, kann ich es meist nicht lassen, sie zu fotografieren.
Diese Schnecke kann als Sinnbild dienen für ein Volontariat.
Ihre Kurzsichtigkeit:
Oft weiss ich nicht, was am nächsten Tag kommt und werde immer wieder überrascht. Mich in das Vertrauen zu geben, mit Gott in Beziehung zu bleiben und doch die Fühler weit auszustrecken, das gehört für mich zum Alltag.
Ihre Langsamkeit:
Ich lerne (mal mehr mal weniger) eine komplett neue Sprache. Das fordert Geduld denn es braucht Zeit ins Sprechen, Lesen und vielleicht sogar Schreiben zu kommen.
Ich bin in einer komplett neuen Kultur zuhause. Da lerne ich neue Verhaltensweisen, lerne das Warten, das Ertragen.
Es kommen doch dann und wann Ängste auf: mögen mich die Leute? Werde ich bestehen? Wie gehe ich mit Abhängigkeit von meinem mir noch unbekannten Umfeld um? Da zählt es dann, im Moment zu sein und diese Gedankengebilde und Luftschlösser der Angst nicht noch mehr zu füttern.
Jetzt bin ich hier, atme, schaue, nehme wahr, bete, bleibe in Verbindung mit Gott.
Das Haus:
Ich lebe bescheidener. Zum Glück! Alles, was ich mitgenommen habe, musste Platz im Koffer haben. Der Verzicht fällt mir bisher Gott sei Dank nicht schwer. Zumal ich immer noch komfortabel lebe: fliessendes Wasser, warmes Bett, Dach über dem Kopf. Und jeden Tag drei Mahlzeiten… Das ist schon viel mehr als die Menschen hier sich leisten können.
Danke Schnecke für deine Kurzsichtigkeit,
deine Langsamkeit,
deine Bescheidenheit.
Ich fühle mich dir verwandt.
