Der heutige Tag und die Umstände laden mich dazu ein, über meine Wut nachzudenken.
Wie so oft im Leben, wenn Erwartungen und Realität aufeinanderprallen, kann das Energie erzeugen. Anders gesagt: Wut entsteht. Doch was ist Wut, und wie gehe ich damit um? Gerade in dem Kontext eines Volontariats ist ein behutsamer Umgang entscheidend. Schliesslich befinde ich mich hier nicht in der Schweiz, sondern in einer Kultur, in der anders kommuniziert und gelebt wird. Hinzu kommt, dass ich als Volontär Gast bin. Als solcher versuche ich meine Gastgeber nicht zu verletzen oder zu verärgern. Also Vorsicht mit den Momenten, in der Wut aufkommt.
Wenn Wut Raum sucht
Wenn sie dann jeweils aufkommt, würde ich sie am liebsten gleich rauslassen. Der Teil von mir der nicht gesehen wird, verschafft sich Raum. Wie gehe ich mit der heissen Luft in mir um?
«Oft hilft mir die Weite der Natur»
Oft hilft mir die Freiheit und die Weite der Natur. Und so entschliesse ich mich einen Spaziergang zu machen, hinauf zum Mariendenkmal auf dem nahegelegenen Berg. Dabei komme ich mit meiner Wut ins Gespräch. Und mit Gott.
Fragen, die bleiben
Was kann ich hier lernen? Wie kann ich die Wut wertschätzen, auch meine Enttäuschung annehmen? Und wenn ich genügend zugehört habe: Wie gehe ich weiter? Wo darf und muss ich Grenzen setzen und reklamieren und wo stehe ich zurück und lasse los?
«Ich entscheide mich fürs Abwarten»
Ich entscheide mich heute erstmal fürs Abwarten. Geduldig sein ist eine Qualität, die ich hier immer wieder trainieren darf. Genau in Situationen wie diesen bin ich unendlich dankbar über die Beziehung zu Gott. Er kennt mich, meine Geschichte und jene der Menschen, die mich umgeben. Gott ist Liebe, und ich darf ihr vertrauen. Es gibt so viel ausserhalb meines Horizonts, was ich nicht kenne und weiss. Also: hoffen, vertrauen und mich überraschen lassen.
Gerade das Laufen, die Stille in der Natur, das Horchen in mich hinein und hin zu Gott beschenken mich mit der Option des Vertrauens, zu der ich mich dann entscheide. Und da lasse ich Gott die Möglichkeit zu wirken. Ich lasse los, ich halte hin, was mich bedrängt, was mich beschwert, und darf staunen, was Gott alles daraus macht.

Vielen Dank für diesen persönlichen Einblick, Gabriel.
„Mut statt Wut“ ist für mich zu einem inneren Kompass geworden.
Beim Lesen kam mir der Gedanke, wie gut Maria als Mutmacherin dazu passt – dieses leise Vertrauen, das trägt.
Danke für diesen Beitrag. Wir kennen die Wut in uns alle… gut zu hören wie andere damit umgehen.