Es gibt mehrere Momente im Leben des Franziskus, die er selbst als Wendepunkt beschreibt. Eine davon ist die Begegnung mit einem Aussätzigen. Vorher, schreibt er, sei ihm der Anblick solcher Menschen unerträglich gewesen. Dann, eines Tages, steigt er vom Pferd und umarmt genau den, vor dem er sich sonst gewendet hätte. Er nennt das selbst den Anfang seiner Umkehr.
Ich lese diesen Satz nicht als frommes Vorbild, sondern als vorgehaltenen Spiegel. Denn das Wegdrehen kenne ich gut. Der Mensch am Bahnhofseingang, die Nachricht über Hunger irgendwo weit weg, die Bettlerin vor dem Laden: Der Blick gleitet ab, wandert weiter, findet einen Grund, beschäftigt zu sein. Und meistens merke ich es nicht einmal in dem Moment. Erst später, fällt mir auf: Da war jemand, und ich habe nicht hingesehen.
Franziskus hat die Armen nicht versorgt im heutigen Sinn, nicht einmal in erster Linie geholfen, wenn man darunter materielle Abhilfe versteht. Er hat sich neben sie gestellt. Das ist eine bescheidenere, aber auch anspruchsvollere Bewegung, als man zunächst denkt: nicht von oben herab geben, sondern sich selbst in eine Position bringen, in der man nichts mehr voraushat. Die Kleider tauschen. Die Wunde berühren, die man vorher gemieden hat.
